Rohbau
Der Rohbau bringt das meiste Material und die meisten Leute auf eine Baustelle. Schief geht die Rechnung selten am Mauerwerk oder am Beton — sondern an den Tagen, an denen ihr steht, und an den Arbeiten, um die dich jemand am Telefon gebeten hat.
Wie abgerechnet wird
Mauerwerk läuft in Quadratmetern Wandfläche, Beton in Kubikmetern, Bewehrung in Kilogramm oder Tonnen, Schalung in Quadratmetern Schalfläche, Aushub und Verfüllung in Kubikmetern. Stürze, Fertigteildecken und Schächte gehen nach Stück. Baustelleneinrichtung, Kran und seine Standtage sind eigene Positionen und kein Zuschlag auf den Meterpreis. Das Programm kennt all diese Einheiten — Quadratmeter, Kubikmeter, Kilogramm, Tonne, Stück, laufenden Meter, Stunde und Pauschale — also sieht das Angebot so aus, wie auf der Baustelle gerechnet wird. Flächen und Kubaturen rechnest du im Programm selbst aus: du gibst die Maße Mauerflächen, Beton- und Aushubkubaturen ein, benennst jede Messung auf deine Art, und die Summe wandert als fertige Position samt Aufstellung ins Angebot — man sieht, woher die Zahl kommt. Öffnungen zieht das Programm nicht ab, das bleibt bei dir.
Was auf dem Papier verschwindet
Verloren geht die Zeit, in der nichts vorangeht. Der Beton kam nicht, der Eisenflechter einen Tag später, Frost stoppte das Mauern, der Kran wartete auf das Zeichen. Verloren geht auch die mündlich bestellte Arbeit: Der Bauleiter ruft an wegen zwei zusätzlicher Durchbrüche und des Aushubs unter dem Fundament, die Kolonne macht das sofort, und bei der Schlussrechnung steht davon kein Wort im Vertrag. Beim Vertrag nach VOB/B ist das keine Kleinigkeit: Den Anspruch auf zusätzliche Vergütung musst du ankündigen, bevor die Arbeit ausgeführt wird — sonst steht er auf schwachen Beinen. Dazu die kleinen Posten, die zwischen den Bauabschnitten untergehen: Abfuhr des überschüssigen Bodens, Sicherung der Baugrube, Aufräumen hinter einer anderen Kolonne, Winterbau-Erschwernisse.
Rechne selbst nach
Nimm die letzte Baustelle und zähl die Tage, an denen die Leute da waren und die Arbeit stand. Multipliziere sie mit dem, was dich ein Tag Kolonne samt Mietgerät kostet — diese Zahl kennst du. Dann erinnere dich an die Arbeiten, die jemand telefonisch bestellt hat und die nie in den Vertrag kamen: rechne die Stunden und das Material zu deinen Preisen. Die Summe einer Baustelle mal der Zahl der Baustellen im Jahr zeigt, was ein fehlendes Blatt Papier kostet.
Fünf Minuten am Tag
Vor dem Betonieren — ein Foto der Bewehrung. Nach dem Guss prüft niemand mehr, wie viel Stahl eingebaut war und wie er lag. Abends: deine Stunden und die deiner Leute, die Betonlieferungen, das ausgegebene Material. Daraus entsteht das Bautagebuch: Tag für Tag, Stunden neben Fotos und neben Material. Wenn ein halbes Jahr später jemand fragt, warum der Abschnitt drei Wochen statt zwei gedauert hat, liegt die Antwort fertig da — mit Datum.
Was das Programm für dich im Blick behält
Im Rohbau arbeitest du fast immer für eine andere Baufirma, also ist die Steuerschuldnerschaft nach §13b die Regel und nicht die Ausnahme — das Programm setzt sie selbst und achtet auf die §48b-Bescheinigung, ohne die dein Auftraggeber fünfzehn Prozent einbehalten und ans Finanzamt abführen muss. Es achtet auf die Abschlagsrechnungen: bei einer Baustelle über Monate halten sie dich flüssig, und in der Schlussrechnung müssen sie auf den Euro genau abgezogen werden. Es achtet auf die Gewährleistungsfristen — beim Vertrag nach VOB/B lässt es weniger als vier Jahre nicht zu, beim BGB-Werkvertrag weniger als fünf — und auf die Sechsmonatsfrist für die Rechnung bei Leistungen an einem Grundstück. Zusätzliche Arbeiten führt es als Nachtrag zum Vertrag und hält das Datum der Ankündigung fest — im Streit entscheidet genau dieses Datum darüber, ob du dafür Geld siehst.
Zum Jahresende
Der Rohbau bringt die größten Posten des Jahres: Beton, Stahl, Mauerwerk, Kran- und Gerätemiete, Lohnstunden, Kilometer zwischen den Baustellen. Alle sind schon an den Aufträgen erfasst, also lesen die Jahresrechnung und die Umsatzsteuer-Voranmeldung fertige Zahlen. Rechnungen mit Steuerschuldnerschaft landen von selbst in den richtigen Feldern — genau dort passieren die meisten Fehler.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit der Eingaben — ein Foto der Bewehrung vor dem Betonieren und die noch am selben Tag eingetragenen Stunden zählen mehr als das beste Programm.

