Trockenbau
Die Wand steht an einem Tag, und danach dauert eine Woche das, was niemand sieht. Der Kunde zahlt für eine glatte Fläche und weiß meist nicht, dass Glätte Stufen hat — und jede kostet anders.
Wie abgerechnet wird
Trennwände und Decken laufen in Quadratmetern, Schacht- und Unterzugsbekleidungen ebenfalls in Quadratmetern — jede Seite einzeln gerechnet, also abgewickelt, Revisionsklappen und Zargen nach Stück, Dämmung getrennt von der Konstruktion. Die zweite Beplankungslage ist eine eigene Position, kein Nebensatz. Die Oberflächengüte — Q1 bis Q4 — gehört neben die Quadratmeter ins Angebot, denn sie entscheidet über die Hälfte deiner Zeit. Flächen und Kubaturen rechnest du im Programm selbst aus: du gibst die Maße Wand, Decke und Bekleidung getrennt ein, benennst jede Messung auf deine Art, und die Summe wandert als fertige Position samt Aufstellung ins Angebot — man sieht, woher die Zahl kommt. Öffnungen zieht das Programm nicht ab, das bleibt bei dir.
Was auf dem Papier verschwindet
Verloren geht, was unter Platte und Spachtel verschwindet. Q1 ist die reine Verspachtelung, Q2 der Standard ohne Werkzeugspuren, Q3 schließt zusätzlich die Poren, und Q4 ist die vollflächige Spachtelung — bei Streiflicht und Lackfarben hält nur sie stand. Steht im Vertrag keine Stufe, gilt Q2; alles darüber ist eine zusätzliche Leistung, die vor der Ausführung vereinbart sein will. Der Unterschied zwischen Q2 und Q4 kann die Zeit auf demselben Quadratmeter verdoppeln und versteckt sich im Angebot hinter dem einen Wort „spachteln". Dazu Feuerschutz- und Feuchtraumplatten: teurer und langsamer zu verarbeiten, im Angebot aber oft zum Preis der Standardplatte.
Rechne selbst nach
Nimm die letzte Wohnung. Sieh im Angebot nach, welche Oberflächengüte dort steht, und erinnere dich, welche du tatsächlich ausgeführt hast, weil der Maler „richtig glatt" wollte. Stand auf dem Papier Q2 und wurde es auf der Baustelle Q4, rechne diese Quadratmeter mal deinen Stundensatz. Nimm die zweite Lage dazu, wo Feuerschutz gefordert war und zum Standardpreis kalkuliert wurde. Dann mal die Zahl der Wohnungen im Jahr.
Fünf Minuten am Tag
Bevor du die Wand schließt — ein Foto der Konstruktion mit den Installationen. Darauf sind Profile, Achsabstand, Dämmung, Leitungen und Rohre zu sehen. Abends: deine Stunden und die deiner Leute, Platten und Profile für diesen Auftrag. Dieses Foto ist später der einzige Beleg dafür, was wirklich in der Wand steckt — wenn jemand bohrt und ein Rohr trifft oder der Kunde behauptet, es sei keine Dämmung eingebaut worden.
Was das Programm für dich im Blick behält
Angebot, Auftrag, Stunden und Fotos liegen zusammen, also entsteht die Rechnung aus der geleisteten Arbeit und nicht aus der Erinnerung von vor drei Wochen. Das Programm achtet auf die Steuerschuldnerschaft nach §13b, wenn du für eine andere Baufirma arbeitest — im Trockenbau ist das die Regel und nicht die Ausnahme, weil du meist Nachunternehmer bist. Es achtet auf die §48b-Bescheinigung und auf die Frist: bei Leistungen an einem Grundstück hast du sechs Monate für die Rechnung, auch beim privaten Kunden. Bei Arbeiten nach VOB/B läuft die Gewährleistung ab der Abnahme.
Zum Jahresende
Trockenbau heißt viel Material und viele Lohnstunden — die zwei Posten, die das Ergebnis am stärksten bewegen. Beide sind bereits an den Aufträgen erfasst: Platten, Profile, Dämmung, Stunden, Kilometer zwischen den Baustellen. Die Jahresrechnung liest fertige Zahlen, statt sie im Januar aus Baumarktbelegen zusammenzusuchen.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit der Eingaben — ein Foto vor dem Schließen der Wand und die noch am selben Tag eingetragenen Stunden zählen mehr als das beste Programm.

