WDVS
Ein WDVS besteht aus fünf Schichten, von denen man eine sieht. Der Rest verschwindet noch am selben Tag unter dem Putz — und die Fragen dazu kommen Jahre später.
Wie abgerechnet wird
Die Dämmung läuft in Quadratmetern, aber Quadratmeter ist nicht gleich Quadratmeter: Dicke und Art der Dämmung ändern Preis und Zeit. Sockelschiene, Kanten und Tropfkantenprofile in laufenden Metern, Gewebe und Oberputz in Quadratmetern, Dübel über die Fläche gerechnet, der Sockel getrennt — unter Gelände liegt eine andere Dämmung zu einem anderen Preis. Das Gerüst ist eine eigene Position: Aufbau, Standtage, Abbau. Die Laibungen an Fenstern und Türen sind die arbeitsintensivsten Quadratmeter der ganzen Fassade und gehören eigens kalkuliert. Flächen und Kubaturen rechnest du im Programm selbst aus: du gibst die Maße Wand für Wand und Öffnung für Öffnung ein, benennst jede Messung auf deine Art, und die Summe wandert als fertige Position samt Aufstellung ins Angebot — man sieht, woher die Zahl kommt. Öffnungen zieht das Programm nicht ab, das bleibt bei dir.
Was auf dem Papier verschwindet
Verloren geht, was du zudeckst. Ob der Kleber im Punkt-Wulst-Verfahren oder vollflächig aufgetragen wurde, Zahl und Länge der Dübel, die Überlappung des Gewebes, die Vorbereitung des alten Untergrunds — nach einer Woche sieht man davon nichts, und bei einer Reklamation nach fünf Jahren wird genau danach gefragt. Verloren geht das Wetter: gedämmt wird weder bei Frost noch auf nasser Wand, das Gerüst zählt die Tage trotzdem. Verloren geht der Sockel und die Zone am Erdreich, wo das Material teurer ist. Und verloren gehen die Details an den Fenstern — Laibungen, Anschlussprofile, Abdichtungen — weil im Angebot eine einzige Quadratmeterzahl für die ganze Wand steht.
Rechne selbst nach
Nimm die letzte Fassade. Rechne die Laibungsmeter an Fenstern und Türen aus — Umfang jeder Öffnung mal Tiefe. Vergleich das mit der Zeit, die dafür draufging, und sieh nach, ob sie im Angebot als eigene Position stehen oder im Quadratmeterpreis der Wand verschwunden sind. Nimm die Tage dazu, an denen das Gerüst wegen des Wetters stand. Mal der Zahl der Fassaden im Jahr.
Fünf Minuten am Tag
Fotos der Schichten, bevor du sie zudeckst: Untergrund, Kleber, Dübel, Gewebe. Vier Fotos je Fassade, eines pro Schritt. Das kostet eine Minute und ist der einzige Beleg dafür, wie eine Wand aufgebaut ist, die niemand je wieder öffnet. Abends: Stunden, verbrauchtes Material, der Gerüsttag. Der Kunde bekommt später eine Rechnung mit einzeln ausgewiesenen Positionen — und genau eine solche Aufstellung verlangt man von ihm, wenn er eine Förderung beantragt.
Was das Programm für dich im Blick behält
Arbeitest du für eine Baufirma, setzt das Programm die Steuerschuldnerschaft nach §13b und achtet auf die §48b-Bescheinigung — ohne sie muss dein Auftraggeber fünfzehn Prozent einbehalten. Es achtet auf die Abschlagsrechnungen: eine Fassade sind Wochen Arbeit und viel Material, das am Anfang gekauft wird. Es achtet auf die Gewährleistungsfristen — beim Vertrag nach VOB/B lässt es weniger als vier Jahre nicht zu, beim BGB-Werkvertrag weniger als fünf; beim WDVS ist das die wichtigste Frist der ganzen Arbeit, weil Mängel spät auftauchen. Zusätzliche Arbeiten führt es als Nachtrag mit Ankündigungsdatum.
Zum Jahresende
Dämmung, Kleber, Gewebe, Putz, Gerüstmiete, Lohnstunden — alles an den Aufträgen erfasst. Die Jahresrechnung und die Umsatzsteuer-Voranmeldung lesen fertige Zahlen, und Rechnungen mit Steuerschuldnerschaft landen von selbst in den richtigen Feldern.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit der Eingaben — vier Fotos der Schichten vor dem Zudecken sind billiger als eine abgeschlagene Fassade.

