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Zimmerer

Ein Dachstuhl entsteht zweimal: einmal in der Werkstatt und einmal auf dem Dach. Im Angebot steht er meist als eine einzige Position — und dann ist die halbe Arbeit unsichtbar.

Wie abgerechnet wird

Der Dachstuhl läuft in Kubikmetern Holz oder in Quadratmetern Dachfläche, Sparren und Pfetten in laufenden Metern, Latten und Konterlatten ebenso, die Schalung in Quadratmetern. Carports, Vordächer und Gartenhäuser meist pauschal, Montage und Nacharbeiten nach Stunden. Brettschichtholz hat seinen eigenen Kubikmeterpreis und seine eigene Lieferzeit, gehört also nicht in die Position „Dachstuhl". Flächen und Kubaturen rechnest du im Programm selbst aus: du gibst die Maße Dachfläche für Dachfläche und Bauteil für Bauteil ein, benennst jede Messung auf deine Art, und die Summe wandert als fertige Position samt Aufstellung ins Angebot — man sieht, woher die Zahl kommt.

Was auf dem Papier verschwindet

Verloren geht die Werkstatt. Zuschnitt, Bohren, Zimmermannsverbindungen, Holzschutz — Stunden, die niemand sieht, weil sie vor der Anfahrt zur Baustelle anfallen. Steht im Angebot nur eine Position „Dachstuhl", haben diese Stunden keinen Platz. Verloren geht auch der Krantag: Du bestellst ihn auf ein Datum, und wenn die Kolonne vor dir die Decke nicht fertig hat, steht der Kran und die Standzeit zahlst du. Dazu geänderte Querschnitte nach der Statik, der Transport der Elemente und Zuschnitt vor Ort, der nicht geplant war.

Rechne selbst nach

Nimm den letzten Dachstuhl. Zähl die Stunden, die deine Leute in der Werkstatt verbracht haben, bevor überhaupt etwas zur Baustelle fuhr — und sieh dann nach, wie viele davon im Angebot stehen. Nimm den Krantag dazu, wenn er gewartet hat. Mal deinen Stundensatz und mal die Zahl der Dachstühle im Jahr. Das ist kein Verlust am Material, sondern an der Zeit, die niemand gerechnet hat.

Fünf Minuten am Tag

Ein Foto der Konstruktion vor der Schalung und vor der Eindeckung. Darauf sind Querschnitte, Abstände, Verbindungen und Holzschutz zu sehen — danach verschwindet alles unter Brett und Ziegel. Abends: Werkstattstunden getrennt von den Stunden auf der Baustelle, Holzlieferungen, verbrauchte Beschläge. Wenn in drei Jahren die Frage nach der Tragfähigkeit oder nach dem Holzschutz kommt, antwortet das Foto mit Datum für dich.

Was das Programm für dich im Blick behält

Arbeitest du für eine Baufirma, setzt das Programm die Steuerschuldnerschaft nach §13b und achtet auf die §48b-Bescheinigung — ohne sie muss dein Auftraggeber fünfzehn Prozent einbehalten. Es achtet auf die Abschlagsrechnungen, denn das Holz kaufst du vor der Montage, das Geld geht also früher raus als rein. Es achtet auf die Gewährleistungsfristen: beim Vertrag nach VOB/B lässt es weniger als vier Jahre nicht zu, beim BGB-Werkvertrag weniger als fünf. Zusätzliche Arbeiten führt es als Nachtrag mit Ankündigungsdatum.

Zum Jahresende

Holz ist der größte Materialposten des Jahres, die Werkstattstunden der zweitgrößte. Beide sind an den Aufträgen erfasst — samt Beschlägen, Holzschutzmittel und Kilometern zwischen Werkstatt und Baustellen. Die Jahresrechnung liest fertige Zahlen.

Entscheidend ist die Regelmäßigkeit der Eingaben — Werkstattstunden getrennt von den Stunden auf dem Dach zeigen, was ein Dachstuhl wirklich kostet.